Wir haben uns die letzten Wochen die Köpfe zerbrochen und die bisherigen Daten unserer Demo Messstationen (oder auch Sensorboxen genannt) analysiert. Können wir prognostizieren wann gelüftet werden soll? Leichter gesagt als getan. Es gibt ein paar Punkte die beim Lüften beachtet werden sollen. Oftmals werden diese Punkte von Vermietern, Wohnungsgenossenschaften, Energieversorgern, Medizinern und vielen weiteren Personen sowie Unternehmen zu Beginn der kalten Jahreszeit jährlich veröffentlicht.

Je nachdem wer die Veröffentlichung durchführt werden auf unterschiedliche Punkte besonders wert gelegt:

  • Vorbeugung bzw. Schutz der Bausubstanz / Mauerwerk / Wände
  • Gesundheitliche Gründe
  • Energiekosten

Es werden zumeist drei Arten des Lüftens unterschieden:

  • Stoßlüften: Mehrmals täglic, 5 – 10 Minuten möglichst Fenster und Türen weit öffnen. Ein sogenannter vollständiger Luftaustausch.
  • Querlüften: Mehrmals täglich 5 – 10 Minuten bei gegenüber liegenden Fenstern. Dabei entsteht ein Durchzug
  • Kipplüften: gekipptes Fenster bei ca. 60 Minuten. Durch die Abkühlung der Mauern kann es dort zur Kondensation der Luft führen und eine Schimmelbildung verursachen.

Häufigkeit des Lüftens nach Räume:

  • Schlafräume mindestens 1x / Tag, Empfehlung liegt auch bei geöffneten Fenster während dem Schlafen
  • Wohnräume ca. 3x / Tag kräftig lüften
  • Küche morgens und abends lüftem
  • Badezimmer möglichst bestehende Lüftugsmöglichkeiten nutzen (Lüftung bzw. Fenster)

Was geschieht beim Lüften?

  • Trockene bzw. feuchte Luft wird ausgetauscht (dabei sollte auf die Luftfeuchtigkeit innen sowie außen geachtet werden, sofern möglich)
  • Austausch von „abgestandener“ Luft und frischer Luft (Sauerstoff-reiche Luft gelangt in den Wohnraum)
  • Temperatur wird abgekühlt bzw. aufgeheizt

weitere wichtige Punkte beim Lüften:

  • Feuchtigkeit vermeiden wegen Schimmelbildung
  • zu trocken ist jedoch auch nicht gut
  • Wassertropen an der Fensterscheibe (eher zur kalten Jahreszeit)
  • zu häufiges Lüften führt zum Energieverlust (eher zur kalten Jahreszeit, Heizung)
  • spätestens wenn die Luft als „schlecht“ empfunden wird

 

Lüften und das Problem mit dem „Erkennen“ / „Empfinden“

Beim letzten Punkt – spätestens wenn die Luft als „schlecht“ empfunden wird – steigen wir nun in unsere Frage wieder ein, ob wir das Lüften prognostizieren können. Wann empfinden wir die Luft als „schlecht“? Wir verwenden dazu sehr gerne das Beispiel einer Schulklasse, das jeder von uns im Leben schon mindestens einmal erlebt hat. Wenn wir uns lange in einem Raum befinden, bemerken wir kaum bis gar nicht ob die Luft nun „schlecht“ ist oder nicht. Wir gewöhnen uns langsam an die schlechten Luftverhältnisse im Raum und können das Raumklima selbst nur mehr schwer wahrnehmen. Temperaturen außerhalb unserer eigenen Komfortzone nehmen wir schneller war als schlechte Luft. Jeder von uns hat so etwas wie eine „Betriebstemperatur“ wo wir am effizientesten sind.

Es dauert mehrere Minuten, oft auch sogar bis zu 1-2 Stunde, dass die Luft im Raum „schlecht“ wird. Wir vermuten, dass jeder schon einmal den Schulunterricht verlassen hat und bei der Rückkehr ein böses Erwachen erlebt hat. Die Luft „steht“ im Raum, und ohne ins Detail zu gehen auch schon einen möglicherweise schlechten Geruch. Warum merkt das niemand? Wir sollen ja lüften wenn wir die Luft als „schlecht“ empfinden.

Abseits von diesem Beispiel können wir uns vorstellen, dass man ähnliche Situationen auch in anderen Räumen erlebt hat. Ähnlich im Büro bei der Arbeit, zuhause in der Freizeit, bei einer Schulung im Seminarraum oder auch unterwegs in Restaurants oder Geschäften. Diejenigen, die den ganzen Tag in diesen Räumen verbringen merken das ähnlich kaum wie Kinder oder Lehrer in einer Schulklasse.

Lüften Trend Prognose

Durch unseren Datenaufzeichnungen können wir uns bereits ein erstes Bild machen. In unseren Datenvisualisierungen können wir Anstieg und Abfall der CO2 Werte erkennen. In den Live-Ansichten konnten wir uns auch die zukünftigen Werte in etwa vorstellen, da wir bereits wussten wie sich der CO2-Wert in etwa verändern wird.

Lüften erkennen (Kurzzeit) und Datenvisualisierung
Anstieg und Abfall der CO2 Werte in einem Raum mit ein paar Mal Lüften

Für’s erste setzen wir den CO2-Wert mit dem „Empfinden“ von „schlechter“ Luft gleich. Die Luft wird „stickiger“ und schon „aufgebrauchter“ als wenn gelüftet wurde oder vl sogar die ganze Zeit das Fenster geöffnet war. Wir haben durch eine Berechnung der Wachstumsrate eine erste Trend Prognose in der Live-Ansicht integriert. Wir berechnen aufgrund einer bestimmten Menge an Daten wie aktuell die nächsten 60 Minuten vermutlich aussehen könnten.

Datenvisualisierung Trend Prognose Prototyp
Datenvisualisierung Trend Prognose Prototyp
Datenvisualisierung Trend Prognose Prototyp 15min später
Datenvisualisierung Trend Prognose Prototyp 15min später
In der Live-Ansicht werden die Werte der Trend-Prognose bei jeder Aktualisierung mit den neuen Werten berechnet und dargestellt. Anhand der aktuellen und möglichen weiteren Daten kann ein Benutzer entscheiden ob jetzt, in 15 Minuten oder vl erst in ca. 40 Minuten das Lüften notwendig sein wird und kann damit auch das eigene „Empfinden“ trainieren und ein besseres Gefühl für die eigene Umwelt bekommen.
Diese Berechnungsbasis verwenden wir nun für weitere Tests, eine Frühwarnung und weitere Verbesserungen der Prognose zum Lüften.

wenn ihr mehr über’s Lüften erfahren wollt:

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